Seetaler Poesiesommer 2026
Das Erleben des poetischen Moments bildet den Angelpunkt des Seetaler Poesiesommers. Das Festival der leisen Töne lebt auch in der 27. Ausgabe von seiner Spontaneität und regt an, dass sich Kultur im lokalen und (inter-)nationalen Austausch mitteile, unter Bäumen und im Salon, im Atelier oder im Ried, auf Burgen und im Ruderboot, stets mit Blick auch auf Entlegenes, mit Anlässen von Juli bis Oktober.
«De profundis tenebrarum mundo lumen exit clarum et scintillat hodie…» So beginnt einer der liturgischen Gesänge im Graduale von St. Katharinental. Pirmin Meier (Aesch/St. Ursen), Verfasser gewichtiger historiographischer Werke, präsentiert das spätgotische Choralbuch im Faksimilie und beleuchtet die spannende Geschichte des 14 kg schweren Manuskripts, das zu den kostbarsten Dokumenten der Schweiz gehört. – «… Di notte voci invisibili e rumori / mi danzano intorno leggeri: / seguo il corso lucente della luna / conto le stelle ad una ad una.» – «… Bei Nacht umtanzen mich leichte / unsichtbare Geräusche und Stimmen: Ich folge dem leuchtenden Lauf des Monds / und zähle die Sterne, Stern um Stern.», heisst es im druckfrischen Band Dopo la pioggia – Nach dem Regen des Tessiner Lyrikers Enzo Pelli (Gentilino). Christoph Ferber (Ragusa) hat ihn übersetzt. Die deutschen Texte liest Cornelia Masciadri (Hunzenschwil). Die Matinée begleitet Hansruedi Zeder (Hochdorf) mit Stücken von Brent Parker (1933-2017), Franz Schnyder von Wartensee (1786-1868) und Nicola Elias Rigato (*1981) am Konzertflügel und am Clavichord.
«Scorre il pennino sul foglio / di ruvida carta: s’impiglia / gratta, qualche volta macchia. / Ma è grato alla mente e all’orecchio / quel metallico raschiare, / che ti ipnotizza ti fa viaggiare.» – «Der Stift gleitet über das raue / Papier: er stockt, kratzt, / gelegentlich fleckt er: / doch dieses Metallgeräusch / ist dem Gemüt und dem Ohr gefällig, / es hypnotisiert dich: / schon bist du auf Reisen.» Der Tessiner Lyriker Enzo Pelli (Gentilino) pflegt auch die Kunst der Kalligrafie, die dem geschriebenen Wort über seine Bedeutung hinaus Anmut verleiht. 2002 gründete er Il Gruppo Calligrafia in Ticino. – Eine hypnotisierende Wirkung übt ebenso die Cyanotypie aus. Hannes Eichenberger (Beinwil am See) führt das alte fotografische Druckverfahren des Blaudrucks – und den Reiz des nostalgisch-frechen Polaroids – anhand von selbst erstellten Werken vor. – Adresse: Antiquariat Johannes Eichenberger, Aarauerstr. 12 (vis-à-vis Bahnhof).
«Distanti divinità // Qualche volta almeno guardassero / con sereno distacco verso il basso / ma i loro occhi inseguono galassie / scrutano i cieli i pianeti le lune / non le nostre fragili umane fortune.» – «Entfernte Gottheiten // Würden sie doch gelegentlich einmal / mit gelassener Distanz nach unten schauen, / doch ihre Augen folgen den Galaxien, / beobachten Himmel, Planeten, Monde, / nicht unser brüchiges menschliches Glück.» Der Lyriker und Maler Enzo Pelli (Gentilino) arbeitete beim Tessiner Fernsehen, wo er die Kulturabteilung leitete. Er stellt seinen jüngsten Gedichtband Dopo la pioggia – Nach dem Regen, der im Tessiner Verlag alla chiara fonte mit Übersetzungen von Christoph Ferber erschienen ist, zusammen mit Cornelia Masciadri (Hunzenschwil) vor. – Treffpunkt: Vor der Klosterkirche.
Schreiben im Ruderboot. Wer sich in der Visitenstube des Aargaus zu lyrischen Texten anregen lassen möchte, kann sich mit Block und Bleistift versehen im Ruderboot auf dem Hallwilersee rudern lassen und auf der abendlichen Partie ganz dem Schreiben hingeben. – Anmeldung erforderlich.
«Sitzen im Strassen- / Café // Den Mädchen / entgegenblicken // Frische Luft / allenthalben // Die Tramway / bringt neue / BAGAGE»: Pedro Meier (Niederbipp), vielgereister Autor und Multimedia-Künstler, liest aus seinen legendären Notizbüchern unveröffentlichte Texte. – Ort: c/o Martin Strebel
und Cornelia Masciadri, Bahnhofstrasse 15 (vis-à-vis Bahnhof Hunzenschwil).
«Welle um Welle / die Brandung löscht im Nu / ein Haiku im Sand»: Verse in den Strand der Ostseeküste schreiben, bis das Spiel der Gezeiten sie wieder löscht. Poesie für einen Augenblick. Ein Los der Zeit und der Möglichkeiten. Bleibt die Überraschung. «Welle um Welle / Gezeiten hinterlassen / ein Haiku im Sand». Treffpunkt: Fontanna Promenada.
«Einübung in die Kunst des Lesens»: Der deutsche Literaturhistoriker Erwin Ackermann schrieb in einer 1929 in Stettin erschienen Schrift, dass «die Kunst des Lesens die Kunst des Hörens voraussetzt, ja dass sie im tiefsten Grunde und trotz aller Beteiligung des Verstandes recht eigentlich eine Kunst des stummen Hörens ist». Der Gedanke möge dazu anregen, Stettin mit den Augen hörend zu erkunden. Schon Johann Bernoulli besuchte im August 1777 die Stadt; was er während seines Aufenthalts alles registrierte, bildet ein schier endloses Inventar von Naturalienkabinetten, Institutionen, Bibliotheken, Buchbeständen, Gemäldeverzeichnissen. Und er bedauerte, dass der «schöne immer laufende Brunnen» am Rossmarkt «anstatt auf der Mitte des Platzes zu stehen, in einem Winkel versteckt ist». Treffpunkt: Szczecin Główny.
«Segnavie nei mari del Sud e Pittori d’acqua» heisst die attraktive Ausstellung mit Werken der Malerin Annette Korolnik (Loco) von Reisen nach Ozeanien und China. Die Künstlerin aus dem Onsernonetal spricht mit Kurator Marco Mona (Rodi) über ihre Erlebnisse mit Wassermalern und Stabkarten. Hansruedi Zeder (Calpiogna/Hochdorf) spielt Werke für Clavichord der Komponisten Michael Schneider (*1964), Nicola Elias Rigato (*1981) und Stefano Ghisleri (*1985). – Bushaltestelle: Rodi, Dazio Grande.
«Der Abendspaziergang in dem stillen, grünen, weiten Alpenthale von Obergesteln nach Münster, zwey kleine Stunden weit, war sehr angenehm. (…) Der Menschenschlag in diesem obersten Theile des Hauptthales vom Wallis ist kräftiger und schöner, auch herrscht mehr Frohsinn hier, als in den unteren Theilen dieses Landes», schrieb Hans C. Escher-Wirzel in seinen 1829 erschienenen Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz und ihrer nächsten Umgebungen. Der von Ulrich Suter (Schongau) herausgegebene Band Obergesteln der Reihe Die Schweiz lesen – Lire la Suisse – Leggere la Svizzera – Leger la Svizra mit Fotografien aus dem Bildarchiv der ETH lädt dazu ein, eigene Geschichten aus dem Ort im Obergoms zu dokumentieren. – Treffpunkt: Bahnhof.
Eintritt: Fr. 15.- / Schweizer Mundarttag Fr. 25.-
Anfragen/Reservationen sind erbeten an: ulrich.suter.kultur@bluewin.ch
Kulturkommission Hochdorf
Vereinigung Pro Heidegg
Historische Vereinigung Seetal